
lat. Oryctes nasicornis
Alle Bilder und Texte von Holger Gröschl
Ordnung
Coleoptera (Käfer)
Familie
Scarabaeidae (Blatthornkäfer)
Größe
2 bis 4 cm
Verbreitung
Großteil Europa
Aussehen
Der Nashornkäfer hat einen kräftigen, walzenförmigen Körper mit einer glänzenden dunkelbraunen bis rotbraunen Färbung. Besonders auffällig ist das Horn des Männchens, das vom Kopf aus nach hinten gebogen ist und an ein kleines Nashorn erinnert. Weibchen besitzen dagegen kein vergleichbar großes Horn, sondern lediglich einen kleinen Vorsprung auf dem Kopf. Die Unterseite und die Beine sind mit feinen rötlichen Haaren bedeckt. Die Körperform und das auffällige Horn machen die Art in Mitteleuropa relativ leicht erkennbar.
Lebensraum
Die Larven des Nashornkäfers benötigen abgestorbenes und bereits stark zersetztes pflanzliches Material. Ursprünglich waren vor allem weiche Holzreste und Mulm in alten Laubbäumen geeignete Entwicklungsstätten. Heute findet man die Art häufig in Komposthaufen, älteren Sägemehl- und Holzabfallhaufen, Rindenmaterial sowie anderen nährstoffreichen Ansammlungen verrottender Pflanzenreste. Durch die bei der Zersetzung entstehende Wärme können solche Substrate besonders günstige Bedingungen für die mehrjährige Entwicklung der Larven bieten.
Lebensweise
Der größte Teil des Lebens spielt sich im Larvenstadium ab. Die Larve lebt verborgen im zersetzten Pflanzenmaterial und wächst dort über mehrere Jahre heran. Für die Verpuppung formt sie aus dem vorhandenen Material eine geschützte Kammer, in der die Umwandlung zum erwachsenen Käfer stattfindet. Die fertigen Käfer erscheinen überwiegend im Sommer und sind vor allem in der Dämmerung und während der Nacht aktiv. Bei uns fliegen die Nashornkäfer von Mai bis Juli. Dann suchen sie nach Paarungspartnern und geeigneten Stellen für die Eiablage. Lichtquellen können die nachtaktiven Tiere anlocken.
Nahrung
Die Larven ernähren sich hauptsächlich von stark zersetztem Holz und anderen faserigen Pflanzenresten. Dabei nutzen sie Material, das bereits durch Pilze und Mikroorganismen aufgeschlossen und dadurch leichter verwertbar geworden ist. Frisch geschlagenes oder gesundes Holz stellt dagegen keine typische Nahrungsgrundlage der Larven dar. Die erwachsenen Käfer nehmen nur wenig Nahrung auf und leben zu einem großen Teil von den Energiereserven, die sie während ihrer Larvenzeit aufgebaut haben.
Sonstiges
Bemerkenswert ist die starke Anpassungsfähigkeit des Nashornkäfers an veränderte Umweltbedingungen. Während seine Larven früher vor allem in natürlichem Totholz und ähnlichen Lebensstätten vorkamen, können sie heute auch menschlich beeinflusste Materialien wie Kompost oder ältere Holzabfälle nutzen. Dadurch ist die Art in Deutschland gegenwärtig nicht gefährdet und wird insgesamt sogar als häufig eingestuft. Das charakteristische Horn dient dem Männchen nicht nur als auffälliges Erkennungsmerkmal, sondern wird bei Auseinandersetzungen mit anderen Männchen eingesetzt. Interessant ist außerdem, dass die Größe des Horns von der Ernährung und den Entwicklungsbedingungen während des Larvenstadiums beeinflusst werden kann. Trotz seiner auffälligen Erscheinung ist der Nashornkäfer für Menschen harmlos und gehört zu den besonders geschützten Käferarten Deutschlands.




