
lat. Metrioptera roeselii
Alle Bilder und Texte von Holger Gröschl
Ordnung
Orthoptera (Geradflügler)
Familie
Tettigonioidea (Laubheuschrecken)
Größe
1,4 bis 1,9 cm
Verbreitung
Europa, Asien
Aussehen
Diese häufige tagaktive Laubheuschrecke ist meist grünlich-braun bis gelblich-braun gefärbt. Ein gutes Erkennungsmerkmal ist der schmale gelbliche bis hellgrüne Saum am Rand des Halsschildes. Die Hinterschenkel zeigen eine dunkle bis schwarze Zeichnung. Meist sind die Flügel relativ kurz und ragen kaum über den Hinterleib hinaus, gelegentlich kommen jedoch langflügelige Exemplare vor. Das Weibchen besitzt eine auffällige, nach oben gebogene Legeröhre, die bis etwa 8 mm lang werden kann. Die Färbung und Zeichnung bieten in der dichten Grasvegetation eine gute Tarnung.
Lebensraum
Die Rösels Beißschrecke besiedelt unterschiedlichste Graslebensräume und ist sowohl auf frischen und feuchten als auch auf trockeneren Standorten zu finden. Besonders häufig lebt sie in höherem, dichtem Gras auf Wiesen und Weiden. Auch Weg- und Waldränder, Böschungen, Brachen, Grabenränder und Hochstaudenfluren werden besiedelt. Wichtig ist eine ausreichend hohe Vegetation, die Nahrung, Schutz und geeignete Pflanzenstängel für die Eiablage bietet. Sehr kurz gemähte Flächen sind dagegen weniger geeignet. Die gelegentlich auftretenden langflügeligen Tiere können neue Lebensräume leichter erreichen und tragen zur weiten Verbreitung der Art bei.
Lebensweise
Die Art ist überwiegend tagaktiv, doch kann der charakteristische Gesang der Männchen auch in den Abendstunden zu hören sein. Die Männchen sitzen meist gut versteckt in der Vegetation und erzeugen ein gleichmäßiges, schwirrendes Geräusch. Bei Störungen lassen sich die Tiere häufig in das Gras fallen, wodurch sie nur schwer wiederzufinden sind. Die Paarung findet im Sommer statt. Das Weibchen legt seine etwa 1 mm großen Eier mit der gebogenen Legeröhre einzeln oder in kleinen Gruppen in Pflanzenstängel. Die Eier überwintern dort, bevor im Frühjahr die Larven schlüpfen. Diese durchlaufen mehrere Entwicklungsstadien und ähneln bereits den erwachsenen Tieren, besitzen aber zunächst nur kleine Flügelanlagen. Mit zunehmender Größe werden die Flügelanlagen deutlicher und die Geschlechtsmerkmale entwickeln sich. Die ausgewachsenen Tiere erscheinen meist ab Juli und können bis in den Oktober hinein beobachtet werden. Die relativ kälteverträglichen Imagines können auch bei bereits deutlich kühleren Herbsttemperaturen noch aktiv sein.
Nahrung
Die Nahrung besteht hauptsächlich aus Gräsern und anderen Pflanzenteilen. Die Tiere fressen vor allem weiches Blattgewebe, können aber auch verschiedene Kräuter nutzen. Gelegentlich werden zusätzlich kleine Insekten oder Insektenlarven erbeutet. Diese tierische Nahrung stellt eine Ergänzung zur überwiegend pflanzlichen Ernährung dar und kann besonders bei einem ausreichenden Angebot an Kleintieren genutzt werden. Auch die Larven ernähren sich vorwiegend von Pflanzenmaterial.
Sonstiges
Die Rösels Beißschrecke gehört zu den häufigsten Laubheuschrecken Mitteleuropas und ist in Deutschland weit verbreitet. Ihr Name erinnert an den Naturforscher und Insektenillustrator Johann August Rösel von Rosenhof, der zahlreiche Insekten detailreich darstellte. Bemerkenswert ist der sogenannte Flügeldimorphismus: Neben der gewöhnlichen kurzflügeligen Form treten gelegentlich langflügelige Tiere auf, die deutlich besser fliegen können. Dadurch ist die Art in der Lage, neue geeignete Lebensräume zu erreichen. Von ähnlichen Beißschrecken lässt sie sich besonders anhand des hellen Halsschildsaumes, der Flügelform und weiterer Körpermerkmale unterscheiden. Im Gelände ist jedoch häufig der Gesang der Männchen der einfachste Hinweis auf ihre Anwesenheit. Trotz ihrer Häufigkeit profitieren die Tiere von strukturreichen Wiesen und Säumen mit höherer Vegetation, die Schutz und geeignete Plätze für die Eiablage bieten.




