Insekt des Monats September: Hausmutter

Von Eulen, Spannern und anderen nächtlichen Besuchern

Hausmutter (Noctua pronuba) (Foto: Sandra Bischoff)

Im Herbst ist es wieder so weit – abends, wenn es früher dunkler und kühler wird und die Lichter angehen, können wir sie beobachten. Die Rede ist von der Gruppe der Nachtfalter. Angezogen vom Licht und von der schützenden Wärme finden wir allerlei Vertreter aus der großen Ordnung der Schmetterlinge. Allein in Niedersachen gibt es ca. 1000 Großschmetterlingsarten und in ganz Deutschland sogar 3700 Arten, die zur Unterscheidung in Tag- und Nachtfalter aufgeteilt werden.

Eine sehr häufige Besucherin in unseren Wohnungen ist die Hausmutter, ein Schmetterling aus der Gruppe der Eulen. Mit einer Spannweite von bis zu 6 cm ist sie leicht zu entdecken, wenn sie durch eine Störung aus Decken, Handtüchern oder Zimmerecken auffliegt. Beim Abheben fallen die orangegelben Hinterflügel mit dem schwarzen Querband auf. Die Vorderflügel besitzen je zwei Flecken: einen dunkel gefüllten, nierenförmigen Fleck und einen hellen Ringfleck. Ansonsten ist der Schmetterling unauffällig, variabel bräunlich gefärbt.

Die Hausmutter hat nur eine Generation im Jahr und tritt bereits ab Mai/Juni auf. Im Sommer legt sie eine Ruhepause ein und ist dann noch bis in den Oktober hinein zu finden. Die ca. 5 cm langen grünlichen und später in der Entwicklung hellbraunen Raupen schlüpfen aus Eigelegen, die an Pflanzen oder Gegenständen über dem Erdboden abgelegt werden. Sie fressen an verschiedenen Gehölzen, Labkraut, Brennnesseln und Brombeeren. Da sich die Flugzeit und somit auch die Eiablage des Falters über einen verhältnismäßig langen Zeitraum erstreckt, überwintern die Larven in verschiedenen Stadien im Erdboden. In der Regel erfolgt im Folgejahr ab April die Verpuppung. Vereinzelt gibt es auch Tiere, die als rostrote Puppe im Boden überwintern.

Gelbspanner (Opisthograptis luteolata)

Grauer Zwergspanner (Idaea seriata)

Nessel-Schnabeleule (Hypena proboscidalis) (Fotos: Sandra Bischoff)

Auch andere Nachtfalter wie z. B. der Graue Zwergspanner, der Gelbspanner und die Nessel-Schnabeleule sind zurzeit an Lichtquellen am Haus zu entdecken. Doch warum ist das so? Nachtfalter orientieren sich nachts mit Hilfe des Mondes, der einzigen natürlichen Lichtquelle, die ihnen zur Verfügung steht. Der Mond dient als Fixpunkt. Da er so weit entfernt liegt, ist er eine gute Navigationshilfe beim Geradeausflug – Hält man einen bestimmten Winkel ein, geht es immer geradeaus. Mit immer mehr künstlichen Lichtquellen, die zudem viel heller leuchten und vor allem sehr viel näher sind als der Mond, wird es nachts für die Tiere immer schwieriger, den richtigen Weg zu finden. Je heller es durch die von Menschen gemachten Lichtquellen in den Nachtstunden wird, desto mehr Nachtfalter gehen zugrunde, weil sie sich bei der Orientierung in Spiralen immer weiter der Lichtquelle annähern. Sie versuchen den Flugwinkel zum vermeintlichen Mond zu korrigieren und fliegen nur dichter ans Verderben.

Unser Tipp: Vermeiden Sie unnötiges Licht in der Nacht, z.B. durch die Installation von Bewegungsmeldern und  durch Leuchten, die nicht nach oben abstrahlen. Zudem bewahrt die Verwendung von geschlossenen Lampengehäusen die Insekten davor, in eine Falle zu geraten. Der Einsatz von warmweißem LED-Licht mindert zusätzlich den Anflug von Insekten. Weitere Informationen gibt es beim Bundesamt für Naturschutz mit interessanten Artikeln zum Thema „Schutz der Nacht – Lichtverschmutzung, Biodiversität und Nachtlandschaft“, Martin Held, Franz Hölker und Beate Jessel (Hrsg.).

Steckbrief

Name:Hausmutter (Noctua pronuba)
Lebensräume: überall häufiger Falter, nachtaktiv
Vorkommen:sichtbar Mai/Juni bis Oktober
Aussehen:Spannweite 45 bis 55 mm, auffallend groß; variabel in Brauntönen gefärbt; Vorderflügel mit je zwei verschiedenen Flecken: ein heller runder Fleck und ein dunkler nierenförmiger Fleck; Hinterflügel gelb-orange mit einem schwarzen Streifen (Binde) gelb

Text: Sandra Bischoff und INSA-Team

Titelbild: Sandra Bischoff

Kommentar verfassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.